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Mein BDSM Mindset

So geht das aber nicht…

(über Gefühle und Definitionen)

Gestern dachte ich -wegen verschiedener Tweets- über ständig wechselnde Partner mit reinen BDSM-Spielbeziehungen nach. Genau das verstehe ich nämlich nicht bzw. nur halb.

Zum einen – ich muss es nicht wirklich verstehen, denn es ist weit entfernt von MEINEM BDSM, als sub.

Zum andern – ich habe es wirklich versucht zu verstehen, doch es gelingt mir nicht… und das, obwohl selbst in mir diese beiden Seiten sind – so im gleichen Thema und doch so vollkommen unterschiedlich in Bezug auf Rolle und Gefühlswelt.

Fangen wir mit meiner sub-Seite an. 
Ich lebe sub. Bin es durch und durch und nicht nur im Spiel. Es ist für mich eine Einstellung. Ich fühle es und meine komplette Hingabe ist nur möglich, wenn Gefühle involviert sind. Für mich ist die Hingabe im BDSM die höchste Form vom Liebe. Anders gesagt: Mein sub-sein funktioniert nur, wenn ich liebe.

Und ich erwarte auch, dass mein Gegenpart genauso empfindet. An reinen Spielbeziehungen habe ich kein Interesse.

Jetzt das Seltsame…
Als Alpha bin ich auch als Dom unterwegs, habe aber dann keine solchen Gefühle gegenüber den subs. Sprich, das, was ich von meinem Dom erwarte, gebe ich selbst nicht und kann es nicht an subs geben.
Seltsam und auch für mich selbst nicht erklärbar.

Um zu sehen, wie es anderen geht, habe ich eine Umfrage auf Twitter und möchte euch das Ergebnis natürlich nicht vorenthalten:

Auf meine Umfrage, ob sie Gefühle und BDSM trennen können antworteten insgesamt 107 Doms und 130 subs.
Die Verteilung war relativ ähnlich: so antworteten 69% der Doms, dass sie Gefühle und BDSM trennen können und 31% antworteten, dass sie es nicht können.

Bei den subs waren es 64 %, die Gefühle und BDSM trennen können und 36%, die es nicht können.

Zusätzlich sind unglaublich viele Kommentare entstanden, die ich zum Teil hier zitieren möchte, woran man sieht, wie differenziert und unterschiedlich die Gefühlswelt ist. Also etwas, was man weder pauschalisieren, noch darüber streiten kann und darf.

„Ich definiere Spielbeziehung für mich auch als eine Art von Beziehung bei der von beiden Seiten sehr viele Gefühle involviert sind, aber eben keine romantischen Gefühle. Das macht für mich unter anderem auch den Unterschied zu einer „normalen“ Beziehung aus. Bei einmaligen Geschichten sind diese Gefühle nicht vorhanden“ (Miss_Lena14)

„Romantische und Beziehungsmäßiges Gefühle können natürlich auch dabei sein, wenn es von allen passt. Aber im weitesten Sinne ist das keine Vorraussetzung.“ (Rubina_Stern)

„Ich würd gern als Dom beides anklicken. Denn ich habe sowohl Spielbeziehungen gehabt, bei denen ich Gefühle getrennt habe und andere, bei denen sie explizit zugelassen wurden. Es kommt sehr auf die Dynamik, den Menschen und die Situation an.“ (venom_bat)

Stellen wir uns vor, jemand möchte nur bestimmte Vorlieben mit Spielgefährten teilen, weil es in der Beziehung nicht klappt. Emotional aber alles schon komplett abgedeckt ist & auch für die Person keine Kapazitäten oder Platz für mehr Gefühl ist.“ (Rubina_Stern)

„Wenn ich so drüber nachdenke glaube ich, das es mir Sub leichter fallen würde ohne Gefühle – als Dom finde ich muss man seinen Partner schon gut kennen um zu wissen wie weit man gegen kann.“ (JimVerno)

„Schwer zu beantworten…sowohl als auch würde ich sagen…wäre ich meiner Herrin nicht ausnahmslos verfallen dürfte sie all die Sachen nicht mit mir machen bzw ich würde es nicht zulassen! Aber anderseits ist und bleibt sie halt meine Herrin!“ (HentaiK88518257)

Von diesem Thema Gefühl möchte ich gerne die Brücke zum BDSM allgemein schlagen. Man sieht nämlich auch in solchen Sachen, wie individuell BDSM und das Ausleben dieser Sexualität für jeden Einzelnen ist, wenn man selbst sogar im eigenem Verhalten „Ungereimtheiten“ findet. Ungereimtheiten in „“, weil es im Prinzip doch keine sind. 

Was ich euch damit sagen möchte:
Lasst euch nicht in Euer BDSM reinreden. BDSM ist ein Sammelbegriff für eine Art die eigene individuelle Sexualität auszuleben. Mehr nicht. Es ist nicht eine in Stein gemeißelte Definition derer ihr gerecht werden müsst, um irgendwo dazuzugehören. Gerade wir BDSMler werfen den „Vanillas“ meist „Schubladendenken“ vor und wenn wir unser Denken selbst reflektieren, merken wir oft, dass wir uns selbst Gedanken machen, ob das Ausleben unserer Sexualität in Schublade A, B oder C passt und ob man als sub/Dom/little etc. dieses oder jenes darf, nicht darf oder mögen muss.
BDSM definiert eben nicht Menschen über Begrifflichkeiten, sondern gibt gerade jedem die Möglichkeit genau das auszuleben, was er ist.

Noch etwas: Ich möchte nicht die einzelnen Begriffe und deren Verwendung schlecht reden. Ich selbst nutze sie und bin dankbar, dass Dank der Begriffe jeder so ca. weiß, was er da als (Gesprächs-)Partner gegenüber hat.
Aber lasst euch nicht sagen, ihr dürftet dieses und jenes nicht oder müsstest dieses und jenes gut finden, nur weil ihr euch selbst grob bei A, B, C etc. einordnet.

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