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Allgemein BDSM Lexikon

Dominanz am Arbeitsplatz vs sexuelle Dominanz

Zuerst einmal folgendes:
sexuelle Dominanz und Dominanz am Arbeitsplatz haben absolut nichts miteinander zu tun.
Sie können etwas miteinander zu tun haben, sie können bewirken, dass der am Arbeitsplatz dominante Part im BDSM Lifestyle dominant ist oder sein submissive-Sein mehr auslebt; sie können, müssen aber nicht korrelieren.
Es kann auch sein, dass der dominanteste CEO nicht nur ein Vanilla ist, sondern das Wort BDSM in seinem Leben noch nie gehört hat.

Man kennt sie alle: in jedem Betrieb, sogar schon bei der Gruppenarbeit in der Schule – die Personen, die eine natürliche Autorität ausstrahlen, ohne etwas aktiv dafür zu tun. Sie übernehmen die Gruppe und werden als Leittier akzeptiert.
Das ist eine typische Dominanz am Arbeitsplatz. Diese Dominanz hat aber auch sehr viel mit dem psychologischen Profil der einzelnen Person zu tun.
Nach meiner Erfahrung sind dominante Leute am Arbeitsplatz durchweg leicht extrovertiert, jedoch allesamt in sich ruhend und auf Zahlen und Fakten bedacht. Ich denke diese Mischung, verleiht Ihnen die natürliche Autorität, die sie innehaben. Sie können stets belegen, was sie sagen. Man vertraut ihnen und ihrem Urteil. Des Weiteren sind diese Personen sehr konsequent. Einmal darf man einen Fehler machen, der auch durchweg verziehen wird, ein zweites Mal nicht.
Aber es ist nicht nur die Autorität, sie üben auch Macht aus und nutzen diese und ihre Wirkung auf Andere, um ihre Ideen und Visionen durchzubringen.

Oft unterstellt man solchen Menschen auch gleichzeitig eine sexuelle Dominanz, weil dies auf den ersten Blick komplett logisch erscheint. Wer im Berufsleben dominant ist, MUSS ja auch im Sexualleben dominant sein…
Hmm.
Ihr kennt aber auch alle dieses Klischee, dass die CEOs, Anwälte, Ärzte etc. alle zu Dominas gehen…
Merkt ihr was?
Beide sind Klischees und Vorteile.
Es hat nichts mit der beruflichen Stellung zutun, ob, wie und als was jemand im BDSM-Bereich tätig ist.

Sexuelle Dominanz ist etwas ganz anderes. Sie ist still und wirkt. Betritt ein Dom, selbst wenn man ihn noch nicht kennt, einen Raum, dann spürt man als sub eine (sexuelle) Dominanz. Etwas, zu dem man sich hingezogen fühlt.
Man denkt das gleiche, fühlt das gleiche.
Man kann es nicht erklären, aber man sieht es den Doms an. Genauso ist es umgekehrt. Sie merken es uns subs auch sofort an. Es ist eine Art der unausgesprochenen, ja schon natürlichen Rangordnung, in die man sich automatisch fügt.
In Sprache, Gesten und Mimik spiegelt sich etwas wieder, was eine innere Leidenschaft, ein Verlangen eine Sehnsucht in der sub weckt.

Ein Dom übt ebenfalls Macht aus aber gleichzeitig Fürsorge. Er beherrscht sich selbst, bevor er jemand anderen beherrscht.
Er ist ruhig, behält -sogar im Domspace- die Kontrolle über sich und genießt die Kontrolle und Macht, die er über die sub hat, ohne diese Macht zu missbrauchen.

Und dies ist vollkommen losgelöst von beruflicher Stellung, Aussehen etc.

Hier scheitere ich nun wirklich mit einer Erklärung, da ich es nicht erklären kann. Ich weiß nur, dass jeder Dom und jede sub mir zustimmen wird. Diese innere Verbundenheit ist etwas, was man ausschließlich fühlt und nicht beschreiben kann.

Daher der letzte Versuch über die Aussagenlogik.
Ein Dom arbeitet meist in leitenden Positionen, aber leitende Positionen sind nicht oft mit Doms besetzt.

Vielleicht wünscht sich zwar so manche Frau den 30-jährigen Model Millionär, der sie ein bissel haut und heiratet. Aber mal ehrlich. Das sind Prinzessinnenmärchen für Erwachsene und meilenweit von der BDSM-Welt entfernt, deren Vielfalt, Schönheit und Vertrautheit man erst sieht, wenn man sie erleben darf.

3 Antworten auf „Dominanz am Arbeitsplatz vs sexuelle Dominanz“

Hallo Katharina-Sophie,

ich habe deinen Artikel jetzt mehrfach durchgelesen und will dir meine Gedanken und Erfahrungen dazu geben.
Ich selbst bin in einer leitenden Position und auch Dominant. Aber in meiner Erfahrung und derer die ich kenne, ist es eigentlich umgekehrt. Wer sich unnahbar und streng gibt, der hat Probleme seine Ziele zu erreichen, weil die Belegschaft kein „Alphamännchen“ haben will. Ich kann nur von meiner Position sprechen und ich habe 15 Personen unter mir, die alle Profis auf ihrem Gebiet sind. Ich muss jedem zeigen, das ich sein Gebiet verstehe und gemeinsam mit ihm oder ihr arbeiten kann. Das braucht Nähe, Herzlichkeit und Menschenkenntnis. Auch Empathie für die einzelnen Menschen im Team und deren Belange. Andernfalls wird man unnahbar und die Stimmung kippt und die Arbeitsleistung leidet und die Krankmeldungen häufen sich. Wenn ich meine „Machtposition“ in der Hinsicht ausspiele mich „durchzusetzen“, dann sinkt auch der Rückhalt im Team.
Ich kann das sogar belegen. Wir Führungskräfte werden zwei Mal im Jahr von unseren Mitarbeitern anonym beurteilt. Chefs die keine Teamplayer sind, werden grundsätzlich schlechter beurteilt, als Chefs, die verstehen und helfen und eher auf der Ebene der Mitarbeiter sind.
Ich würde für jemanden durchs Feuer gehen, der mir das Gefühl gibt, er braucht mich und unterstützt mich, als für jemanden der rein logisch (basierend auf Zahlen und Fakten) handelt. Was „Fehler“ betrifft. Klar, zuviele dürfen nicht passieren. Aber wenn ich merke das Fehler gemacht werden, suchen wir gemeinsam nach Lösungen (und das bedeutet z.B. auch, das der Chef mit Überstunden macht, damit es doch noch klappt) und ich unterstütze den Mitarbeiter, das es nicht mehr vorkommt. Sei es durch Seminare,usw…

Die „sexuelle Dominanz“ ist zwar etwas anderes, aber ich kenne verdächtig viele Ärzte und Rechtsanwälte, die in leitenden Positionen sind und die durchaus im BDSM Kontext leben. Das kann aber auch subjektives Empfinden sein.

Was „unser“ Auftreten betrifft, bin ich mir nicht ganz sicher. Ich denke es hängt vor allem von der Erscheinung und Ausstrahlung desjenigen ab. Ich sehe auf Parties immer wieder das Klischee eines Doms (Anzug, Leder,..) die dann dominant „erscheinen“. Ich habe aber auch festgestellt, je „dunkler und mürrischer“(ja, Klischee 🙂 sie sind oder sich geben, desto weniger Respekt haben die Anwesenden Subs vor ihnen. (eine gerade intern gestartete Umfrage unter den Anwesenden Subs hat gerade ergeben, das solche Doms, eher etwas kompensieren wollen)
Ich kann nur von uns sprechen (wir sind oft als kunterbunte Truppe unterwegs). Es ist ein Blick, eine Geste die vielleicht erkennen lässt, woran die Sub vor mir ist. Aber sicher nicht mein Lächeln, das ich jedem entgegen bringe, den ich kennenlerne. Das gilt auch für meine Mit-Doms und Subs, wenn wir als Gruppe unterwegs sind.
Aber ja, es gibt auch die Dom´s, die allein durch ihre Anwesenheit diese Dominanz ausstrahlen. Deren Anzahl ist jedoch eher gering, aus meiner Sicht.

Hallo Laenkyr vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar.

Natürlich kann ich dir auch hier nur zustimmen, denn es ist wie im Leben immer bei jedem anders und es gibt so viele verschiedene Facetten von allem, dass man gar nicht alle aufschreiben kann. Deshalb danke ich dir sehr, für deinen Einblick in deine Sicht der Dinge.

Als sub muss ich dir auch zustimmen, dass ich auch eher denke, dass je mürrischer und selbstgefälliger die Doms sind, umso mehr müssen sie etwas „kompensieren“ und strahlen für mich dadurch immer weniger Dominanz aus.

Zur Sache, dass bemerkenswert viele Ärzte und Anwälte den BDSM Content leben: auch hier kann ich dir nur zustimmen. Ich bin selbst Juristin und hab als Rechtsanwältin gearbeitet. Ich glaube aber auch einfach, dass es tatsächlich zwei oder mehr „BDSMlager“ gibt, die sich irgendwie auch an dem akademischen Grad (ich hoffe, ich setze mich jetzt nicht in die Nesseln) orientieren. So ist es doch so, dass man sich selbst eher mit „seinesgleichen“ umgibt, als mit anderen. Allein die Art der Konversation ist nun mal eine andere. Vielleicht kennen wir daher sehr viele Akademiker, die den BDSM Content -ähnlich wie wir- leben, weil wir selbst dazu gehören.

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