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Mein BDSM

Ich will auch mitspielen

Oft werde ich von anderen gefragt, wie sie ihren Weg zum BDSM finden können. Wie sie herausfinden können, was ihnen gefällt, wo sie sich zuordnen können und auch tatsächlich, wie sie selbst erreichen können, dass ihnen BDSM gefällt. Die letzte Frage macht es schon ziemlich absurd.
Ist es nicht so, dass uns etwas gefällt oder dass uns etwas nicht gefällt?
Ist es nicht so, dass ich mich im Tanzverein anmelde, weil ich tanzen möchte und nicht weil ich irgendwie erzwingen will, dass mir das Tanzen gefällt?
Eigentlich ziemlich absurd das Ganze. Aber ich behaupte mal, dass fast jeder von uns es schon gemacht hat.
Nein, sich nicht im Tanzverein angemeldet – aber versucht hat etwas mitzumachen, weil es gerade Trend ist.
Kontakt zu einer Gruppe zu haben und letztlich zu etwas zu gehören, was im Moment alle toll finden. Sich zu denken, dass muss mir doch auch gefallen, sonst bin ich nicht normal. Oder sich zu denken, ich will auch so toll sein wie XYZ und deshalb muss ich das machen, sonst bin ich das nicht.

Das fängt bereits in der Schule an bei irgendwelcher Mode, einer Rucksackmarke oder einer Sammelleidenschaft und zieht sich durchs Leben.
Irgendwann denkt man sich zwar: „War vielleicht doch nicht so intelligent, so viel Geld für die ganzen Diddle Blätter auszugeben und stürzt sich zur gleichen Zeit mit einem riesigen „Jipphieeee“ in den nächsten Trend, um wieder einfach dazuzugehören. (Was übrigens auch unterbewusst passieren kann.)
Ich persönlich hatte so eine Erfahrung im Alter von ca. 25 Jahren mit Yoga.
Yoga war zu dieser Zeit total im Trend. Jeder musste Yoga machen. Nur durch Yoga war man ausgeglichen, fit, toll und wehe du hast kein Yoga gemacht: Dann hast du nämlich einfach noch nicht deine Mitte gefunden und warst nicht bereit. Also habe ich mir irgendwann gedacht, Yoga muss mir doch auch gefallen.
Also suchte ich mir ein Yoga-Studio. Ich habe mir die ganze Stunde über eingeredet, dass es mir super gut gefällt; dass das ganz toll ist, dass der Yoga Lehrer so toll ist und dass ich zu meiner Mitte gefunden habe. Dass ich Yoga nun fühle und dass es etwas ist, was mir immer in meinem Leben gefehlt hat.
Das lustige an Menschen ist übrigens, wenn man sich lange genug etwas einredet, glaubt man es. Mein Professor in Jura sagte einmal, als um den Wahrheitsgehalt von Zeugenaussagen ging: „Sie alle kennen das. Ihnen passiert ein großes Malheur und Sie erzählen erst mal niemandem davon. Ein Jahr später unter genug Alkohol wird das Ganze bei Freunden ausgegraben und zehn Jahre später sind Sie bei Familienfeiern sogar ohne Alkohol der Held dieser Story. Wir können uns also ziemlich gut etwas einreden, um gut da zu stehen.
Aber nur weil ich mir einrede, dass mir etwas gefällt, gefällt es mir noch lange nicht und fühle ich es vor allem nicht.

Nun zurück zum Yoga: ich habe das circa vier Wochen gemacht und hatte immer weniger Lust darauf. Problem an der Sache war, dass mich mein Umfeld bestärkt hat, dass Yoga so toll ist. Problem war auch, dass man über die Gruppe Kontakt zu anderen Menschen hatte, die ihr Leben so lebten, dass es objektiv nach Meinung der Gesellschaft erstrebenswert war. Aber es war nicht mein Leben.
Nach den vier Wochen habe ich dann entschieden klipp und klar folgendes zu sagen: „Ich habe Yoga getestet und ich finde es scheiße. Es passt nicht zu mir. Es hat, wenn ich ehrlich bin, noch nie zu mir gepasst. Die erste Yoga Stunde war ganz toll, weil alles neu war, aber dann habe ich gemerkt, dass ich weder zu den Menschen passe noch dieser Sport das Richtige für mich ist. Ehrlicherweise hätte ich nach der zweiten Yogastunde aufhören müssen. Hab ich aber nicht aus oben den genannten Gründen.“

Und jetzt kommen wir zum BDSM.
BDSM ist etwas, was ihr nicht erzwingen könnt. Es ist entweder schon sehr lange in euch oder ist es einfach nicht da. Wenn es in euch ist, kann es sein, dass ihr es lange Zeit nicht bemerkt habt, aber dann durch irgendein Ereignis eure Neigungen, Sehnsüchte und Wünsche plötzlich zuordnen könnt und sich auch Verhaltensweisen oder Ereignisse in der Vergangenheitheit auf einmal erklären und alles plötzlich einen Sinn ergibt. Es fällt euch sozusagen wie „Schuppen von den Augen.“

Ist es aber nicht in euch wird es auch nicht kommen. Erinnert euch an Trends und meine Yoga Story
Und ja – ich muss das leidige 50 Shades of Grey Thema ansprechen, weil in diesem Zusammengang mir immer wieder gesagt wird, dass man den Film aber „toll“ fand.

Unabhängig davon, dass 50 Shades of Grey BDSM genau NICHT so abbildet, wie es ist, sondern eher in Form eines Rosamunde Pilcher Romans für einsame Frauen und notgeile Männer, ist es -gelinde gesagt- einfach Schwachsinn, zu behaupten auf einmal auf BDSM zu stehen, nur weil man diesen Film geil fand.

Ihr könnt zum Beispiel nicht sagen, ihr lebt den sub, aber denk nicht daran eurem Master oder eurer Mistress zu sagen, wann ihr wohin geht. Oder ihr sagt, ihr seid Dom, seid aber nicht für eure sub da oder habt keine Ahnung, was ihr mit ihr anstellen sollt.
Es ist nicht etwas, was ihr heute mal vergesst oder „lernen“ könnt. Es ist etwas, was ihr mit jeder Faser eures Körpers lebt.

„Lebe das, was Du bist.
Niemals das, was Du nicht bist!“

2 Antworten auf „Ich will auch mitspielen“

Du schreibst mir von der Seele! Wie oft man genau diese Fragen bekommt…. Warum….? Wie lernt man ES…..? Wieso bist du nicht normal?…. Danke dir für diesen tollen Artikel!
Grüße Nina

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